Blockierung der Extruderschnecke bei Version MK3S und MK3S+

Wenn die Extruderschnecke blockiert, dann verliert der Schrittmotor des Extruderantriebs Schritte und macht ruckartige Bewegungen bei einem auffälligen Geräusch. Das ist zunächst nicht schlimm, sollte aber nicht lange bestehen bleiben. Die Strombegrenzung des Schrittmotors dient hierbei als Überlastschutz. Wenn bei Ihnen die Extruderschnecke blockiert, prüfen Sie zunächst folgende Schritte: 

16.2.1 Überprüfen Sie, ob der Schmelzefilter in der Düse ggf. verstopft ist oder sich verformt hat und zur Düsenspitze gedrückt wurde. Beides erfordert ein erhöhtes Drehmoment der Extruderschnecke und kann zur Blockierung des Motors führen. Wie man den Filter ausbaut, finden Sie in Kapitel 13. 

16.2.2 Überprüfen Sie die Materialqualität und die verwendeten Einstellungen, Siehe dazu Kapitel 06.6. Verschaffen Sie sich auch hier einen Überblick, um zu wissen, womit Sie arbeiten. Wenn man versucht die maximale Drehzahl des Extruders herauszufinden, kann es sein, dass es anfangs gut läuft aber nach einiger Zeit Probleme gibt. Das kann zwei Gründe haben:

1. Die Einzugszone kühlt nach einiger Zeit ab, weil die Heizleistung an die Grenze kommt.
2. Zusatzstoffe wie Masterbatch oder auch andere Kunststoffe können eine schmierende Wirkung haben. Dadurch bildet sich ein Art Gleitfilm auf der Innenseite des Rohres. Wenn man danach ein anderes Material verarbeitet reduziert dieser Gleitfilm noch eine ganze Zeit die Reibung. Nach etwas 0,5 bis 2 produzierten Filamentspulen ist der Gleitfilm verschwunden, dann erhöht dich die Reibung und man muss die Drehzahl verringern, da sonst die Motorleistung an die Grenze kommt.

Statt die Drehzahl des Extruders als Maß für die Geschwindigkeit zu verwenden, sollte man die generelle Extrusionsgeschwindigkeit im Blick zu haben. Das sieht man an der Drehzahl der Zugeinheit (Pulling unit, P: auf dem Display). Diese sollte zwischen 20 und 40 rpm sein. (natürlich immer abhängig vom verwendeten Material und den Zusatzstoffen). Also die Drehzahl des Extruder-Motors so einstellen, dass im Automatikmodus die Drehzahl von P: im entsprechenden Rahmen liegt. Wenn das stabil läuft, kann man schauen wie weit man noch gehen kann.

16.2.3 Überprüfen Sie die Ausrichtung des Extruder-Rohres. Es muss gerade ausgerichtet sein, siehe Aufbauanleitung Kapitel 02. Wenn das Rohr durch einen Umbau oder Austausch der Teile nicht mehr gerade zur Achse des Motors ausgerichtet ist, wird die Extruderschnecke verkantet. Das kann zum Blockieren des Motors in Betrieb führen. 

16.2.4 Stellen Sie sicher, dass sich die Extruderschnecke weit genug im Rohr befindet. Die flache Fläche der Schnecke im Einzugsbereich muss bis in das Rohr hineinragen. Wenn die Schnecke nicht weit genug im Rohr ist, wird Material am Eingang zum Rohr festgeklemmt, mitgedreht oder abgeschert. 

16.2.5 Überprüfen Sie, ob Sie die passende Extruderschnecke verwenden. Die Extruderschnecke mit hoher Kompression ist mit zwei Markierungen am Schaft versehen und ist auf die Verarbeitung von geschredderten 3D Drucker-Abfällen mit viel Luftanteil abgestimmt. Wenn das Mahlgut aber sehr fein oder kleinkörnig ist, kann doch die Extruderschnecke mit niedriger Kompression nötig sein. Die Extruderschnecke mit niedriger Kompression ist mit einer Markierung am Schaft versehen und ist auf die Verarbeitung von Kunststoffen in Pellet-Form und sehr feines oder kleinkörniges Mahlgut abgestimmt. Seit 23. Dezember 2025 wird die neue Extruderschnecken-Version V2 ausgeliefert, welche für mehr Materialien geeignet ist. Diese hat statt runde Markierungen, ovale Markierungen am Schaft. Kontaktieren Sie uns bei Fragen.
 
16.2.6 Überprüfen Sie den Zustand des Axiallagers in der Kupplung zwischen Extruderschnecke und Motor. Dieses muss ausreichend geschmiert sein. Wenn dieses trocken läuft, kann es bremsen und den Motor blockieren. Daher regelmäßig fetten, vor allem bei Dauerbetrieb. Wenn es trocken gelaufen ist, Lager ausbauen, reinigen und neu fetten.

16.2.7 Überprüfen Sie den Motorstrom des Schrittmotors. Der Motorstrom wird am externen Schrittmotortreiber über kleine Dipschalter eingestellt. Dafür ist eine Öffnung im Gehäuse der Elektronik vorgesehen. Es gibt folgende Möglichkeiten: 

  • Es sieht so aus, als wäre die richtige Einstellung gewählt, aber ein Dipschalter ist nicht ganz nach unten oder oben gedrückt. Dann hat dieser keinen Kontakt und es kann zu Fehlfunktionen kommen. Prüfen Sie die korrekte Schalterstellung. 
  • Wenn hier eine falsche (zu niedrige) Einstellung gewählt wäre, kann der Motor blockieren, ohne dass es einen Grund dafür gibt. Überprüfen Sie dazu Schritt 51 in der Aufbauanleitung. Schalterstellung sollte Dipswitch 1: off, Dipswitch 2: on, Dipswitch 3 off sein. 
  • Es kann auch materialabhängig nötig sein, den Strom erhöhen zu müssen. Gerade bei zähen Materialien wie PLA+ oder PETG oder auch bei kleinen/dünnen Pellets kann das der Fall sein. Um den Motorstrom zu erhöhen gehen Sie folgendermaßen vor:

    – Öffnen Sie das Elektronik Gehäuse auf der Rückseite des Extruders.
    – Am externen Schrittmotortreiber finden Sie kleine Dip-Schalter. Schalter 1, 2 und 3 werden nun eingestellt. (Diese Einstellung gilt nur für den im Bausatz verwendeten Schrittmototreiber „DM332T“).
    – Der Motorstrom ist bei der Werkseinstellung auf 2,5 Ampere begrenzt. Für 2,9 Ampere stellen Sie Schalter 1 auf „on“, Schalter 2 auf off“ und Schalter 3 auf „off“. Für 3,2 Ampere stellen Sie Schalter 1 auf „off“, Schalter 2 auf off“ und Schalter 3 auf „off“. Achtung: Es darf nur die Extruderschnecke mit niedriger Kompression (eine Markierung am Schaft) bis zum maximalen Motorstrom verwendet werden. Die Extruderschnecke mit hoher Kompression (zwei Markierungen am Schaft), kann im Fehlerfall beschädigt werden, wenn der Strom auf über 2,5A erhöht wird. ARTME 3D® übernimmt hierbei keinerlei Haftung.
    – Der Schrittmotor muss dann eventuell gekühlt werden. Wobei Betriebstemperaturen um die 60 bis 70°C für den Motor generell kein Problem sind. Achtung: Verbrennungsgefahr. Es kann auch Schmiermittel austreten.

16.2.8 Überprüfen Sie die Rillen im Extruder-Rohr und die Rauheit der Innenfläche des Extruder-Rohres. Wenn der Extruder neu ist, können die Rillen noch recht „scharfkantig“ sein und die Innenfläche des Rohres etwas rau. Das kann bei sehr zähen Materialien wie PETG zu Problemen führen. Das Granulat wird dann „zu stark“ in der Einzugszone gefördert, was zu viel Druck in der Kompressionszone führt. Das kann zum Blockieren der Schnecke führen. Nach längerem Betrieb können sich die Rillen etwas abrunden und die Innenfläche etwas abschleifen, sodass dann das Problem mit PETG verschwindet. Im Zweifel können Sie die Innenfläche des Extruder-Rohres etwas schleifen oder polieren. Aber Achtung, das kann zu negativen Effekten bei anderen Materialien führen. 

16.2.9 Überprüfen Sie, ob das Heizelement korrekt am Extruder-Rohr montiert ist. Bei schlechter Wärmeleitung kann es sein, dass das Rohr im Betrieb zu weit abkühlt, ohne dass man es merkt. 

16.2.10 Wenn diese Punkte nicht zum Erfolg führen, ist nicht auszuschließen, dass eine defekte Elektronik zum Schrittverlust des Motors führt. Das können Sie überprüfen, indem Sie den Motor ausbauen und ohne Extruderschnecke drehen lassen. Wenn der Motor dann auch stockt, ist die Elektronik das Problem. In diesem Fall kontaktieren Sie mich bitte. (www.artme-3d.de/contact

16.2.11 Wenn diese Hilfestellungen generell nicht zum Erfolg führen, kontaktieren Sie mich bitte. (www.artme-3d.de/contact)