Warum sind ARTME 3D Produkte so teuer?

1) Wo kommen wir her und wo gehen wir hin.

Wenn man bedenkt, dass bis Anfang 2024 nur sehr teure Lösungen wie 3Devo oder Filabot (oder sehr günstige, aber nicht besonders zuverlässige) zur Auswahl standen, hat ARTME 3D frischen Wind in den Bereich der eigenen Filament-Herstellung gebracht – und das gilt auch für die Preisgestaltung. Dadurch erreichte das Thema so viel Aufmerksamkeit, dass Mitte 2026 die Firma Creality in das Thema mit einem sehr erfolgreichen Crowdfunding eingestiegen ist. Ich hoffe, dass Konkurrenz den Markt belebt und nicht dazu dient, andere Mitbewerber auszuschalten.. Siehe weiteren Text.

1) Die direkte Frage, ob sich die Anschaffung eines Extruders rechnen kann?

3D-Druckabfall ist überhaupt ein Bereich, in dem sich Recycling wirklich lohnen kann. Im Vergleich zu Plastikmüll aus dem Haushalt hat man dafür nämlich oft zwischen 5 und 50 Euro pro Kilogramm bezahlt – je nach Material, Qualität und Herkunft. Der Plastikmüll von Lebensmitteln aus dem Discounter gab es dagegen praktisch kostenlos dazu und er ist in der Regel deutlich schlechter recycelbar. 3D-Druckabfall hingegen ist oft sortenrein und vergleichsweise teuer. Genau deshalb liegt es nahe, überhaupt über Recycling nachzudenken.

Rechnen wir also einmal nach:

Wenn du für eine 1-kg-Filamentspule von Bambu Lab, Prusa etc. etwa 25 bis 30 Euro bezahlt hast und daraus Abfall entsteht, dann müsstest du ungefähr 30 bis 40 kg Material recyceln, bis sich die Anschaffung eines Extruders von ARTME 3D gerechnet hat. Oft geht das Geld in kleinen Schritten in Bestellung für Bestellung weg, und man merkt gar nicht, dass man über die Zeit hunderte von Euro/Dollar in den Müll geworfen hat. Es fällt einfach eine Menge Abfall an – von Stützstrukturen, Prototypen, „Purging poops“, „Purging towers“, etc.

Oder auch, wenn du einen stabilen Prozess mit dir bekannten Kunststoffsorten inklusive Datenblatt möchtest – also ohne von einem Hersteller abhängig zu sein, der dir nicht genau sagt, welche Kunststoffsorte und welche Additive im Material enthalten sind – kannst du auch neue Pellets kaufen und selbst zu Filament verarbeiten. Dabei lassen sich je nach Material oft 5 bis 20 Euro pro Kilogramm sparen. Eine Maschine von ARTME 3D könnte sich dadurch je nach Ausgangsmaterial und Einsparung nach etwa 40 bis 190 kg verarbeitetem Material bezahlt machen.

Durch die zunehmend günstigen Filamente auf dem Markt kann sich diese Rechnung natürlich verändern. Aber selbst wenn man Filament für nur 5 Euro pro Kilogramm bekommen und verarbeiten kann, hätte 3D-Druckabfall immer noch einen erheblichen Materialwert – im Vergleich zu Kunststoffabfällen aus dem Haushalt oft um ein Vielfaches, teils sogar um Größenordnungen höher.

2) Was mit dem Kaufpreis tatsächlich finanziert wird

Der Kaufpreis eines in Deutschland bzw. Europa entwickelten und vertriebenen Produkts trägt unter anderem dazu bei, folgende Kosten zu decken:

  • Vom Bruttopreis gehen zunächst bereits 19 % Mehrwertsteuer an den Staat. Das sind ca. 150,00€ pro verkauftes Gerät. Das ist in jedem Land der EU mehr oder weniger das gleiche. Wenn Du von Außerhalb der EU kaufst, dass entfällt diese Steuer und der Preis ist daher günstiger als in der EU. Aber dann wird der Zoll in deinem Land, die in deinem Land geltende Steuer erheben.
  • Erhebliche Teile des Preises gehen direkt auf den Wareneinsatz – also auf Bauteile, Komponenten, Material, Verpackung und die eigentliche Herstellung des Produkts. Man muss wissen, dass an einem 3D Drucker fast ausschließlich Massenware-Teile verbaut sind. An einem Kunststoff-Extruder zur Filament-Herstellung gibt es Bauteile die sehr komplexe und teure Werkzeugmaschinen erfordern, um diese herstellen zu können. Am Beispiel des MK3S+ belaufen sich die reinen Netto-Materialkosten für einen ganzen Bausatz etwa 50% des Kaufpreises. Dieser Einkaufspreis ist dabei nur möglich, bei der Abnahme aller Teile für 200 bis 300 Geräte im Voraus. Somit muss man sich erst einmal Ware im Wert von ca. 80,000€ bis 120.000€ in das Lager legen, bis man das überhaupt zu diesem Preis einkaufen zu können. Selbst wenn ich meine Stücklisten veröffentliche und Privatleute in der Lage wäre, sich alle Teile selbst zu beschaffen oder zu produzieren, würde man für nur ein Gerät hunderte von Euro an Versandkosten bezahlen, bis man die vielen unterschiedlichen Kleinteile, Schrauben und Spezialteile einzeln bestellt hat.
  • faire Löhne und Gehälter
  • Arbeitgeberanteile zu Sozialabgaben
  • Lohnnebenkosten
  • Miete und Betriebskosten für Gewerberäume
  • Körperschaftssteuer von 15 auf den Gewinn, im Voraus monatlich zu zahlen.
  • Gewerbesteuer von ca. 14% auf den Gewinn, im Voraus monatlich zu zahlen.
  • Maschinen, Werkzeuge und deren Verschleiß
  • Verpackungsmaterialien und Versandvorbereitung
  • Druckkosten für Dokumentation und Bedienungsanleitungen
  • Rücklagen für Reklamationen und Support.
  • Werbung und Sichtbarkeit des Produkts
  • Markenrechte und rechtliche Absicherung
  • gesetzliche Verpflichtungen wie Verpackungslizenzierung / Entsorgungssysteme / Handelskammerbeitrag
  • betriebliche Abgaben, Buchhaltung, Software, Infrastruktur und allgemeine Verwaltung
  • Entwicklung, Erprobung und Verbesserung des Produkts
  • Zudem bezahlt man indirekt durch die Steuern, dass unser Land mit allen Leistungen, Bildungsangeboten, Müllentsorgung, Straßenbau, Notruf, Theater und Kunstangeboten, etc.erhalten beleibt.

Erst wenn all diese Kosten gedeckt sind, bleibt überhaupt ein unternehmerischer Überschuss übrig – aus dem wiederum Investitionen, Risiken und letztlich auch die Geschäftsführung (also ich David von ARTME 3D) bezahlt werden, sofern möglich.

Das erklärt, warum wir einfach niemals so günstig sein können wie die Tiefstpreise aus China, die Ihr mittlerweile auch lautstark einfordert.

Der einzige Grund, warum wir mit unseren Produkten aktuell in Europa bestehen können ist, dass wir ein junges Unternehmen sind, das äußerst flexibel und zielorientiert arbeitet, und wir den Gewinn dem Bestehen der Firma und der Markenbildung unterordnen.

Es ist auch fraglich, ob die Preis-Politik von anderen Ländern wie China darauf abzielt, Europa oder sämtliche Konkurrenz in dem Rest der Welt in Preis und Schnelligkeit so lange zu unterbieten, bis diese vom Markt verschwinden. Das kritisierte selbst Joseph Prusa kürzlich öffentlich. Der Artikel fasst die Kritik von Josef Prusa an der zunehmenden Kickstarter-Strategie chinesischer 3D-Drucker-Hersteller zusammen. Prusa argumentiert, dass viele Unternehmen zunächst westliche Entwicklungen abwarten, anschließend mit staatlichen Subventionen und Steuervorteilen produzieren und ihre Produkte über Crowdfunding an westliche Kunden vermarkten. Seiner Ansicht nach habe diese Strategie dazu beigetragen, dass chinesische Hersteller heute rund 95 % des Desktop-3D-Druckermarktes kontrollieren, während westliche Hersteller stark unter Druck geraten sind. Wortwörtlich schreibt er zudem in seinem X-Post „Letztes Jahr auf einer Formnext-Party prahlte ein chinesischer Gründer nach ein paar Drinks damit, dass er Fabrik und Grundstück kostenlos von der Regierung erhalten habe – ich habe gerade nachgesehen: Natürlich hatten auch sie eine Kickstarter-Kampagne laufen.“.

Das gefährliche hier ist auch einfach die Forderung der Kunden nach diesen Preisen, die sie von China gewohnt sind. Aber neben der Gefahr mit dem Sterben der Industrie in der EU gibt es noch weitere, siehe Punkt 7 weiter unten.

4) Was Sie bei ARTME 3D® zusätzlich mitkaufen

Wer ARTME 3D® Produkte kauft, kauft nicht nur einzelne Metall- und Kunststoffteile. Sie investieren auch in:

  • Entwicklung und Know-how statt reiner Massenware
  • Ansprechpartner in Europa
  • Dokumentation und Support über email und Whatsapp.
  • Ersatzteilversorgung und Nachvollziehbarkeit
  • Verantwortungsbewusste Produktpflege und Weiterentwicklung
  • ein Unternehmen, das unter europäischen Rahmenbedingungen arbeitet
  • Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in Europa

Kurz gesagt: Sie kaufen nicht nur ein Gerät, sondern auch Service, Verantwortung, Erreichbarkeit, angfristige Verfügbarkeit und Transparenz.

5) Die Sache mit der Wertschöpfung

Wenn man in einem regionalen Unternehmem einkauft und selbst wenn es ein Händler ist, der lediglich Waren aus anderen Ländern innerhalb deines Landes weiterverkauft, dann passieren zwei Dinge:
1. Der Händler zahlt Steuern, was dein Land in seinem Bestehen sichert und eine Wertschöpfung sicherstellt.
2. Er zahlt Löhne, Sozialabgaben und Krankenversicherungen was das Rückgrat für eine Mittelschicht und soziale Gleichheit im Land bildet.

Wenn man aus der EU Waren auf dem Plattformen wie Alixpress, Temu, Amazon, ebay etc. kauft, und diese direkt aus einem anderen Land wie z.B. china zu euch geschickt werden, dann passieren auch mehrere Dinge:
1. Da es oft kleine Lieferungen sind, werden oft keine Steuern erhoben. Es entsteht kein Mehrwert in deinem Land, nur Konsum und Geldabfluss in ein anders Land.
2. Dieser Konsum schafft keine Arbeitsstellen und keine soziale Absicherung in deinem Land, die Arbeitsbedingungen und die gewerblichen Voraussetzungen in anderen Ländern sind oft nicht bekannt.

7) Sie Sache mit der Haftung

Käufer in der EU, welche Waren außerhalb der EU kaufen, gelten rechtlich als Importeur und sind haftbar bei Schäden. Aber hier ein konkretes Beispiel für die rechtliche Situation: Ganz gleich, ob man auf Temu, AliExpress usw. eine Küchenmaschine oder einen 3D-Drucker kauft – die Waren werden oft direkt aus China versandt. Das merkt man oft erst, wenn man auf Amazon oder Ebay Waren bestellt, diese aber eine Lieferzeit von 3 Wochen haben. Wenn Sie in der EU wohnen (für andere Länder kann ich mich nicht sprechen), gelten Sie rechtlich gesehen als Importeur und als derjenige, der die Waren in Verkehr bringt, und haften somit für diese. Wenn also Ihr eigenes Haus abbrennt, weil das Produkt fehlerhaft war, oder wenn Sie die Küchenmaschine Ihrem Nachbarn leihen und dessen Haus abbrennt, werden Sie letztendlich als die Person haftbar gemacht, da Sie die Waren in Verkehr gebracht haben. Keine Versicherung wird Ihnen da weiterhelfen. Wenn Sie ein Gerät vor Ort in einem Fachgeschäft kaufen oder bei einem regionalen Händler bestellen, bezahlen Sie auch dafür, dass der Händler alle rechtlichen Aspekte prüft, die Konformität bestätigt und die Haftung als Inverkehrbringer übernimmt. Ganz zu schweigen von der Gewährleistung. Diesen Fakt müssen wir unbedingt weiter in die Gesellschaft tragen.

Wenn Sie Fragen zur Preisgestaltung, zum Lieferumfang oder zu den Unterschieden gegenüber anderen Angeboten haben, sprechen Sie uns gerne an. Wir beantworten diese Fragen offen und ehrlich. Sind können uns hier kontaktieren.